Vom Schreiben-Müssen

In einem Beitrag von Radio SRF erklärt die Literatursoziologin, Carolin Amlinger, die im Rahmen einer Studie rund 20 Autorinnen und Autoren zu ihren Lebensrealitäten befragt hat, sie sei überrascht gewesen, dass viele Schriftsteller*innen nach wie vor stark an der Vorstellung festhielten, dass sie gar nicht anders könnten, als zu schreiben. Sie habe, so die Soziologin weiter, mit viel abgeklärteren, pragmatischeren Personen gerechnet.

Stattdessen die Erkenntnis: Es gibt ihn also doch (noch), diesen inneren Drang des Autors, der Autorin, sich kreativ (schreibend) auszudrücken, auch wenn der gesunde Menschenverstand – lies: der knallharte Literaturbetrieb – einem zu etwas Anderem rät.

Ich bin keine Autor*in, in dem von Frau Amlinger gebrauchten Sinne. Wenn man mich nach meinem Beruf fragt bzw. wissen will, wie ich mir meinen Lebensunterhalt verdiene, verweise ich auf meinen „Brotjob“, der übrigens durchaus auch interessant ist, aber natürlich weniger interessant klingt, als „Schriftsteller*in“.

Dennoch kann ich nachvollziehen, was die interviewten Schriftsteller*innen meinen: Auch ich verspüre ihn, diesen Drang, Geschichten zu erfinden und sie in Sprache zu giessen, mir „Plots“ auszudenken und sie in Worte zu fassen, Figuren zu entwerfen und an Sätzen zu feilen. Ich würde nicht so weit gehen zu sagen, ich könne nicht anders; immerhin widme ich den grösseren Teil meiner Zeit einer „richtigen“ Arbeit, deren Lohn mir die Freiheit zum Schreiben ja überhaupt erst verschafft.

Aber die Vorstellung, weniger Zeit zum Schreiben zu haben oder gar nicht mehr schreiben zu dürfen, erscheint mir doch einigermassen furchtbar.

Das Ganze mag, wie Frau Amlinger meint, eine „wirkmächtige Illusion“ sein, mit der man sich von der unangenehmen Wahrheit ablenkt, dass für das „brotlose“ Schreibhandwerk sehr viel Zeit draufgeht, die man gewinnbringender in eine berufliche Karriere investiert hätte. Am Ende ist es mit dem „Schreiben-Müssen“ wie mit allen „Musts“: Man ist erst glücklich, wenn man sagen kann: „I did it!“ – Oder eben: „Das Buch ist da!“

2 Gedanken zu “Vom Schreiben-Müssen

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